Arbeitskreis Andere Nützliche Produkte
Ein Arbeitskreis der IG-Metall
c/o Gustav-Heinemann-Bürgerhaus Kirchheide 49 28757 Bremen- Vegesack
Tel.: (0421) 650805 oder (0421) 663800 Fax: (0421) 652256

Der Kampf gegen Asbest
auf dem Bremer Vulkan!

Danger-Asbestos
Seid 1974 ist auf den Bremer Vulkan "Asbest" ein Schwerpunktthema gewesen.

In diesem genannten Jahr waren vier Betriebsräte in Hamburg auf einer Arbeitssicherheitstagung der IG Metall.

Da hörten sie zum ersten mal,

Wieder zurück im Betrieb wurden als erste die Tischler in einer Branchenversammlung unterrichtet, die daraufhin die Arbeit niederlegten und Schutzmaßnahmen, asbestfreie Ersatzstoffe und einen Bericht der Aufsichtsbehörden forderten.

Bei dieser Auseinandersetzung kam heraus, dass die Sicherheitsabteilung schon seit 1968 (6 Jahre vorher) vom Gewerbeaufsichtsamt über die Gefährlichkeit von asbesthaltigen Schotten hingewiesen wurde. (Das Schreiben liegt dem Arbeitskreis vor.) In diesem Schreiben wurden auch Schutzmaßnahmen angeordnet. Diese Auflagen schmorten sechs Jahre in der Schublade und wurde von den Verantwortlichen des Bremer - Vulkan verschwiegen und somit bewusst die Kolleginnen und Kollegen in die Erkrankung und den Tod getrieben.

Der Betriebsrat informierte die Belegschaft in Infoblätter, die Vertrauensleute machten in ihren Gewerken während der Mittagspause zum Thema Asbest Branchenversammlungen. So war eine umfangreiche Information hergestellt.

Die Kolleginnen und Kollegen bekamen es mit der Angst zu tun und forderten:


Erfassung aller Kolleginnen und Kollegen die mit asbesthaltigen Materialien gearbeitet haben, oder durch andere Gewerke und Firmen die mit asbesthaltigen Produkten umgingen (Nachbarschaftsexposition) geschädigt wurden, zu der zentralen Erfassungsstelle nach Augsburg zu Melden.

Die Geschäftsführung und die Vorgesetzten versuchten natürlich die Gefährdung von Asbest zu verharmlosen. Sie sagten: mit diesen Forderungen würde die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens in Frage gestellt.

Die Geschäftsleitung wurde in dieser Auffassung, von den Aufsichtsbehörden nicht unterstützt.

Die Belegschaft blieb bei Ihren Forderungen.

Für den Betriebsrat begann ab jetzt die Arbeit:
  • wo und in welchen Produkten ist überall Asbest enthalten?

  • Es erstreckte sich über die gesamte Werft:
    * Schiffbau -Maschinenbau - Gießerei - Instandhaltung - Schiffsreparatur - Verwaltung.

    Hier im groben die wichtigsten Vorkommen:

    Schiffbau:
    • Spritzasbest ( Blauasbest)
    • Asbestisolierungen an Rohren - Dampfleitungen usw.
    • Asbestschnüre
    • Asbestmatten
    • Asbesttücher
    • Asbestdichtungen (Klingerit)
    • Asbesthaltige Fußbodenbeläge
    • Asbesthaltige Vergussmassen
    • Asbesthaltige Verkleidungen
      - Schotten- in den Kabinen
    • Asbesthaltige Bremsbelege
    Maschinenbau:
    • Asbesttücher
      - beim Schrumpfen von Kurbelwellen
    • Asbesthaltige Dichtungen
      - z.B. Klingerit am Motor
    • Asbesthaltige Rialko-Lager
    Gießerei:
    • Asbestschnüre
    • Asbestschutzkleidung (Handschuhe - Schürzen)
    Schiffsreparatur und Umbauten:
      Durch Abrissarbeiten hochgradig Asbeststaubexponiert. durch:
    • Asbesthaltige Isolierungen
    • Asbestmatten
    • Asbestschnüre
    • Asbesttücher
    • Asbestdichtung
    Verwaltung:
    • Klimaanlagen

    Stellvertretend für viele andere Schiffe auf denen gearbeitet wurde:


    Nach diesen Recherchen war Asbest auf jeder Betriebsversammlung bis in die neunziger Jahre ein Thema, und die Verbotsforderung wurde immer wieder erneuert.

    Das hat auf der einen Seite die Kollegen sehr sensibel gemacht und sie haben bei jeden Verdacht der aufkam, den Betriebsrat informiert. Dieser hat dann die Arbeit einstellen lassen, sehr oft im Bereich von Reparaturschiffen, bis Schutzmaßnahmen installiert waren.

    Auf der anderen Seite gab es aber auch Kollegen denen das Thema langsam zu viel wurde. Der Druck der Vorgesetzten, die darin gipfelte, dass ein Oberingenieur im Beisein von Kollegen ein Asbesthaltiges Material zerbrach und in den Mund nahm und auffraß. Er sagte: ,,passiert mir etwas, bin ich tot oder krank?"

    Es war schon ein harter Kampf.

    Wir ließen uns aber nicht entmutigen und machten Asbest überall, wo wir hin kamen zum Thema. Im Arbeitskreis "Arbeits und Gesundheitsschutz" der IGM Bezirksleitung Hamburg noch unter der Kollegin Wiebe Wohlenberg auf Veranstaltungen und Schulungen der IG Metall und des DGB in Presse und Rundfunk.

    Wir haben auch im" Echolot" immer wieder berichtet und eine Broschüre

    "Es gibt keinen Schutz vor Asbest"
    heraus gebracht.

    Das Echolot war der Name einer Betriebszeitung von Kollegen für Kollegen die in der Zeit von 1978 bis ins Jahr 1991vor den Werkstoren verteilt wurde.

    Durch alle diese Aktivitäten und Aufklärungen hat dann trotz Werftenkrise die Belegschaft 1983 den asbestverseuchten Umbau "UNITED STATES" abgelehnt. Die gewerblichen Koll. und Koll. sagten: "wir gehen lieber zum Arbeitsamt als in den Tod!"

    Dies führte zur Kündigungsandrohung der Geschäftsleitung gegen den damaligen BR-Vorsitzenden Fritz Bettelhäuser. Der BR hat mit der IG Metall den Prozess gewonnen.

    Andere Belegschaften an der Küste wie z.B. HDW Hamburg sind diesem Beispiel nicht gefolgt, somit war eine breite Solidarität für ein generelles Asbestverbot nicht gegeben. Die Industrie verwendete im großen Umfang weiter Asbest.

    Schutzmaßnahmen wurden aus Finanz und Termingründen oft auf ein Minimum beschränkt.

    Ganz besonders hervor getan hat sich die Bundeswehr mit ihren Fregatten, da wurde noch 1992 Asbest verarbeitet:

    Was heißt das für uns und die damalige Belegschaft:

    Asbest konnte nicht überall verhindert werden. Von den über tausend an asbestgeschädigten Koll. und Koll. sind viele erkrankt und schon jämmerlich verstorben. Die Toten werden immer mehr, mittlerweile spricht die Wissenschaft und die Medizin davon, das die Spitze des Eisberges der Asbesterkrankten und Toten im Jahre 2017 erreicht wird.

    Jeder vierte Fall, der bei der BG angezeigt wird, kommt zu Anerkennung.

    Hier ein Beispiel aus direkt 2001 Nummer 04:

    1998 wurden rund 7.500 Fälle von Asbestose, Lungenkrebs und bösartigen Tumoren als Berufskrankheiten angezeigt,
    entschädigt aber nur 1.756 !

    Jetzt könnte man ja glauben, wenn alles so schlimm ist, wird wenigstens die Berufsgenossenschaft das Elend ein wenig mildern in dem sie die Erkrankung als eine Berufskrankheit anerkennen.

    Weit gefehlt!

    Der/die Betroffenen müssen nach dem sie Erkrankt sind, beweisen das dies aus der versicherten Tätigkeit heraus verursacht worden ist. Für den einzelnen ist so etwas kaum Machbar. Daher haben wir seid vielen Jahren versucht den Kollegen die eine Verdachtsanzeige auf Berufskrankheit bei der BG angezeigt haben behilflich zu sein, und beratend zur Seite zu stehen.

    Das heißt:

    Als uns der Betrieb 1997 geklaut wurde, war Helfen in weiter Ferne gerückt und nur noch sporadisch möglich (ehrenamtlich).

    Glücklicherweise hat uns das Gesundheitsprojekt der Uni Bremen, in dem unser Kollege Rolf Spalek vom Arbeitskreis mitarbeitet, in die Lage versetzt bis mindestens ende Februar 2001 den Kolleginnen und Kollegen zu helfen.

    Durch das Projekt sind wir aber auch an Hand der noch vorhandenen Akten in die Lage versetzt worden genauere Angaben zu Asbest zu machen. Außerdem sind wir angefangen das Thema Asbest weitergehend aufzuarbeiten.

    Erstes Ergebnis:

    Dies gilt es in der Zukunft noch viel umfangreicher zu machen.

    Unser Forderung an die Politik:

    Umkehr der Beweislast!